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Kulinarisches Thailand: Zwischen Genuss und Grausen in Bangkok

 

Einsamkeit und hektisches Treiben, sengende Sonne und sintflutartige Regenfaelle, Genuss und Grausen, kurz: Reiselust und Reisefrust. Es waren besonders die grossen Kontraste, die unsere erste Woche in Thailand gepraegt haben und die Faszination dieses Landes ausmachen. Nun sind wir in der Hauptsadt Bangkok angekommen und wurden durch eine kleine, fast obligatorische Darmerkrankung ausgebremst. Zeit genug also, um ein erstes kleines Fazit zu ziehen – natuerlich mit kulinarischem Fokus. Von David Seitz

Schlendert man durch die Strassen Bangkoks, wechseln die Gerueche von Meter zu Meter. Mal riecht es nach gebratenem Fisch, mal nach Vergorenem, mal penetrant nach Durian (die sogenannte Stinkfrucht), oft nach Kanalisation. Doch es sind die Gerueche der sogenannten Garkuechen, die dem Thailand-Neuling in der Nase bleiben, denn ihnen kann man nicht entkommen. Wie eine Perlenkette ziehen sie sich entlang der belebten Strassen, doch wer glaubt sie seien eine reine Touristen-Abfuetterungsmaschinerie, der glaubt falsch. Nicht Deutsche, Hollaender und Franzosen sitzen dort, sondern Thais aller sozialen Schichten. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die Garkuechen Bangkoks, mit ihren teils hoechst exotischen Gerichten schrecken die meisten Touristen zunaechst ab.

Zwischen vielen bunten aber unbekannten Spezialitaeten brodelt fermentierter Fisch den ganzen Tag in einer Blechschuessel, Thai-Frauen zermalmen Chillis, Limettensaft und Fischsauce zur typischen Papayasalat-Marinade. Direkt daneben liegt Huehnchenfleisch ungekuehlt und umringt von Fliegen in der prallen Mittagssonne, bis es zusammen mit Sprossen, Saucen und Nudeln im Wok ultrahocherhitzt wird. Dem europaeischen Sinn fuer hygienischen Umgang mit Lebensmitteln widerspricht das aufs Schaerfste und doch haben die Thais keinen Grund sich Kuehlschraenke an die Strasse zu stellen – niemand braet Fleisch hier medium. Auf den mit Holzkohle gefuellten Blechwannen gart das Fleisch bei derart hoher Hitze, dass Bakterien keine Ueberlebenschance bleibt – winzige, hoellisch scharfe Chillischoten erledigen den Rest. Ein ausgeklügeltes und offembar seit Jahrhunderten bewährtes System. Solange nicht Horden von Einheimischen an Lebensmittelvergiftungen erkranken, bleibt dieser Umgang mit Fleisch und Fisch schlichtweg der funktionalste. Hinzu kommt wohl, dass die Maegen der Einheimischen auf diese Art von Zubereitung eingestellt sind. Fuer den ein oder anderen Europaer entspringt aus der oftmals extremen Chilli-Schaerfe und letztlich doch unvermeidbaren Bakterien in vielen Faellen eine Magen-Darm-Erkrankung, die jedoch nach ein paar Tagen meist von selbst wieder abklingt.

Wer sich schließlich doch ueberwindet, sein Mittagessen aus den dampfenden Kesseln und Woks zu beziehen, der spart jede Menge Geld. Saettigende Hauptgerichte kosten meist um die 30 Baht, was etwa 80 Cent entspricht. Doch viel wichtiger: Gerade in Bangkok kann der mutige Esser hier die pure Authentizitaet der Thai-Kueche erschmecken. Kleine giftgruene Backwaren, unefinierbare Spiesse oder eben erwaehnter fermentierter Fisch werden zur Mutprobe, die sich jedoch meistens bezahlt macht. (Der Fisch blieb von uns  bisher aber unangetastet).

Mit Pad Thai, dem inoffiziellen Nationalgericht Thailands koennen sich derweil fast alle Touristen anfreunden. Es ist quasi die Sicherheitsnummer unter den authentischen Thai-Gerichten, da niemals scharf und so gut wie immer wohlschmeckend und gut bekoemmlich. Eiernudeln und Reisnudeln werden dafuer zusammen mit Sprossen und Fleisch bzw. Tofu scharf angebraten und mit Fisch- sowie Tamarindensauce abgeschmeckt. Das suessliche Gericht erinnert entfernt an Nudeln mit Tomatensauce uns ist vielleicht gerade deshalb der Renner unter den europaeischen Thailand-Reisenden.

Sticky Rice mit Mango ist bei weniger wagemutigen Touristen und bei Thais gleichermassen beliebt. Der mit einer Kokosmilchcreme uebergossene Klebreis wird mit frischen Mangospalten serviert, denen keine eingeflogene Mango aus dem heimischen Supermarkt in Sachen Saftigkeit und Aroma das Wasser reichen kann. Dass Thais sich zum Schluss des Tages noch einen Heuschrecken-Snack goennen ist derweil jedoch mehr Mythos als Realitaet – zumindest was die Hauptsadt angeht. Ein einziger Wagen mit knusprigem Insekten-Getier zieht im Zentrum einsam seine Kreise und finanziert sich wohl eher aus den tausenden fotowuetigen Touris, die dafuer sorgen, dass der Mythos erhalten bleibt. Denn wer die knusrprigen Wuermer, Heuschrecken und Froesche ablichten will muss dafuer seit neuestem 10 Baht hinlegen.

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